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Freitag, 20. März 2015

Zum Frühlingsanfang

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Nostalgische Grüsse und ein paar Neuigkeiten zu Band 2: Fünf Kapitel stehen in der Rohfassung, das ist ca. ein Drittel des Endumfanges. Die Handlung wird dieses Mal im Sommer spielen.

Sonntag, 18. Januar 2015

Ein verspielter Code - die Briefmarkensprache

Schweizer Postkarte mit Poststempel aus dem Jahr 1929.


Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm das Interesse an Chiffren und Codes dank neuer Kommunikationstechniken ständig zu und zwar nicht nur in Geheimdienstkreisen. Verschlüsselte Nachrichten wurden zu beliebten Themen in Krimis und Abenteuerromanen; berühmte Beispiele finden sich in E. A. Poes Goldkäfer und A. Conan Doyles Die tanzenden Männchen. Chiffren und Codes erschienen auch auf den Rätselseiten in Zeitungen und Magazinen und das Entwickeln neuer Chiffren und Codes zum privaten Vergnügen wurde zu einer beliebten Beschäftigung. Manche der damals entwickelten Chiffren – wie die Dorabella- und die Beale-Chiffre – sind bis heute ungelöst.

In dieser allgemeinen Begeisterung für Geheimbotschaften kamen auch zahlreiche "Geheimsprachen" auf, die vor allem Liebenden die Möglichkeit geben sollten, unbemerkt zu kommunizieren. Zu diesen verspielten Codes, die kaum geheimdienstlich genutzt wurden,* gehören die Blumensprache, die in Chiffren im Schnee erwähnte Fächersprache und die Briefmarkensprache, deren Aufkommen eng in Zusammenhang mit der Erfindung der Postkarte in den 1860er Jahren steht. (Die Postkarte löste einen enormen Boom der privaten Korrespondenz aus, sie war sozusagen die Email des 19. Jahrhunderts.)

Wann genau die Briefmarkensprache entwickelt wurde, lässt sich nicht genau eruieren. Sie kam Ende des 19. Jahrhunderst wahrscheinlich im englischen Sprachraum auf und erfreute sich bis ins frühe 20. Jahrhundert in weiten Teilen Europas grosser Beliebtheit. Der Code der Briefmarkensprache beruhte auf der Platzierung der Marke, meistens wurden 12 Positionen entsprechend einem Zifferblatt verwendet, die Neigung der Marke erlaubte zusätzliche Variationen. Der entsprechende Schlüssel wurde in Zeitschriften, Büchlein und wie bei der hier verwendeten Illustration als Postkartensujet  geliefert.

Genau wie bei den anderen verspielten Codes litt auch die Briefmarkensprache unter einem Schlüssel-Problem. Wer kurz nach weiteren Beispielen sucht, stellt sofort fest, dass kein einheitlicher Schlüssel existierte. Das war vielleicht der Grund, warum der Absender der obigen Karte auf der Rückseite die Briefmarke ordentlich in der rechten oberen Ecke platzierte und stattdessen auf der Vorderseite die Botschaft, die er übermitteln wollte, fein säuberlich unterstrich.


*Die Briemarkensprache wurde eventuell trotz ihrer Auffälligkeit geheimdienstlich genutzt, dann aber natürlich mit einem anderen Schlüssel. Bekannter sind allerdings andere Methoden, Briefmarken geheimdienstlich zu nutzen wie Steganographie und Mikropunkt.

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Neujahrsgrüsse

Zum Jahreswechsel ein Strauss nostalgischer Postkarten  ich wünsche allen ein glückliches und gesundes neues Jahr.






Sonntag, 14. Dezember 2014

Neuigkeiten zu Band 2

Nein, Band 2 ist leider noch nicht fertig. Da die Frage nach der Fortsetzung immer wieder auftaucht, hier ein paar Zeilen zum Stand der Dinge.

Gewittersturm über dem Zürichsee (Postkarte ca. 1915).
Im Hintergrund links die Türme der Tonhalle.
Band 2 wird in Zürich spielen  der Ortswechsel ist durch das Ende von Band 1 vorgegeben. Und da Zürich anders als Sternenbach kein fiktiver Ort ist, braucht es einiges an Recherche, damit keine historischen Schnitzer passieren. Nebst diversen Büchern zur Stadtgeschichte und dem wunderbaren Gang dur Züri konsultiere ich dafür gerne das statistische Jahrbuch der Stadt Zürich und alte Reiseführer  letztere liefern oft Alltagsdetails, die sonst nur schwer zu finden sind, wie etwa Lebensmittelpreise, Adressen verschiedener Konsulate, Farben der Tramschilder oder welche Geschäfte denn Herrenmode nach englischem Standard führten. 

Zu Zeitrahmen und Handlung möchte ich im Moment nichts sagen  aber es wird natürlich einige neue Figuren geben. Diese sind gerade am am Entstehen. Manche entwickeln sogar bereits ein unvorhergesehenes Eigenleben, aber ich lasse sie machen. In Band 1 hat sich Lady Georgiana in dieser Weise verselbständigt und ich war mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Zu diesen Figuren sei aber zumindest so viel verraten: es gibt einen vierbeinigen Neuzugang.

Viel mehr kann ich im Moment nicht schreiben, ohne wichtige Details auszuplaudern. Aber immerhin, es geht voran, wenn auch leider nicht so schnell wie gewünscht.



Dienstag, 31. Dezember 2013

Neujahrsgrüsse


So ähnlich dürften die Karten ausgesehen haben, die Anna zum neuen Jahr von den Zimmermädchen geschenkt bekam.

Alles Gute für 2014! 

Donnerstag, 19. September 2013

Hotelpreise, Spa und Wellness zu Zeiten der Belle Epoque


Das Splendid war ein teures Haus. Doch was genau heisst das in dieser Epoche? Eine Postkarte für das Hotel Baur au Lac in Zürich aus dem Jahr 1911 gibt freundlicherweise Auskunft. Das Baur au Lac war (bzw. ist) eines der besten Häuser am Platze und bewegte sich deshalb in einer ähnlichen Preisklasse wie das Splendid.


Nun sind die Preise von Fr. 3.50 pro Tag  bzw. Fr. 10.00 beschränkt aussagekräftig. Und das nicht nur wegen der Inflation, sondern auch, weil sich der Wert von Dienstleistungen in den letzten 100 Jahren dramatisch verändert hat. Früher konnte sich ein gutbürgerlicher Haushalt eine Köchin und/oder ein Hausmädchen leisten, weil deren Löhne im Vergleich zum Einkommen des Familienoberhauptes sehr viel niedriger waren.

Natürlich fragt man sich hier, wie viel denn die Angestellten eines solchen Hauses verdienten. Der Küchenchef des Hotel Splendide in Lugano (das gab es wirklich) verdiente im Jahr 1904 Fr. 300 monatlich. Er war der am besten bezahlte Angestellte, die Gouvernante erhielt Fr. 50 monatlich.*

Die Postkarte ist aber auch wegen des unter Baur au Lac-Bad aufgelisteteten Bäder- und Kurangebots interessant: Römisch-Irische Bäder sind eine Kombination aus Heissluft- und Thermalbädern. Bei den Elektrischen Strahlen-Bädern handelt es sich um elektrotherapeutische Angebote, damals der letzte Schrei. Die entsprechenden Anlagen sehen für das moderne Auge wenig vertrauenerweckend aus, doch damals war das der letzte Schrei. Duschen und Kaltwasserbehandlungen gehörten zur ebenfalls sehr beliebten Hydrotherapie. Schwedische Heil-Massagen und Gymnastik waren eine Vorform der modernen Physiotherapie. Eine solche Vielfalt von Therapien fand man sonst eher in abgeschiedenen Kurhotels vor. Das Baur au Lac (Bad) aber bot gutbetuchten Gästen ein Kurprogramm im städtischen Umfeld an; allerdings ohne dies so zu deklarieren; die Kur war immer noch medizinisch belastet, hier weht aber schon der Geist von Spa und Wellness durch Salons und Therapieräume, wie auch DamenFrisierSalon im Haus belegt – der Besuch beim Friseur gehörte wohl schon damals, wenngleich um einiges aufwendiger  zum weiblichen Wohlfühlprogramm.




*Thierry Ott: Palaces. Die schweizerische Luxushotellerie, YenssurMorges 1990.
Wer historische Geldwerte genauer einschätzen möchte, kann es auch hier versuchen.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Paläste am Alpenquai: Weisses Schloss, Rotes Schloss und Tonhalle


Tonhalle, Rotes Schloss und Weisses Schloss* am Alpenquai in Zürich (seit 1960 General-Guisan-Quai) sind anders als das Splendid nicht frei erfundene Gebäude  weshalb ich von ihnen auch Bildmaterial präsentieren kann. Die 1913 gelaufene Postkarte zeigt die Quai-Anlage, so wie Anna sie bei ihrer Ankunft in Zürich in Kapitel 3 erlebt haben dürfte: ganz rechts ist die Tonhalle zu sehen, in der Mitte das Rote Schloss und links davon das Weisse Schloss (dahinter der Turm der Kirche Enge).

Die beiden Schlösser wurden unmittelbar nacheinander zu Beginn der 1890er Jahre erbaut. Das Weisse Schloss war das erste am Alpenquai fertiggestellte Gebäude, Architekt war Heinrich Honegger-Näf. Die Gestaltung des Gebäudes orientiert sich an der Repräsentativarchitektur des französischen Frühbarock. Das von Heinrich Ernst entworfene Rote Schloss ist im Stil der Loire-Schlösser gebaut. Die beiden Wohnpaläste befinden sich an bester Lage mit Blick auf den See, die Alpen und den Zürcher Hausberg, den Uetliberg. Sie waren mit allem Luxus der Zeit ausgestattet: einer Zentralheizung, WarmwasserAnschlüssen, elektrischem Licht und einem Lift. Die Wohnungen waren natürlich nur für das gutbetuchte Grossbürgertum erschwinglich.  Beide Schlösser stehen inzwischen unter Denkmalschutz  die Wohnungen sind grösstenteils zu Büroräumlichkeiten umgebaut.

Die 1895 eröffnete Tonhalle war mit ihren Türmen und der Kuppel vom Pariser Trocadéro inspiriert, das eine Mischung klassischer und orientalischer Architektur darstellte. Nicht allen gefiel der fantastische ArchitekturMix, die NZZ schrieb anlässlich der Eröffnung von einem "chinesisch-mexikanischen Renaissancebau". In den 1930er Jahren wurde die Tonhalle zum Kongresshaus umgebaut, Rotunde und Türmchen wichen einem modernem Neubau  die beiden Konzertsäle blieben aber erhalten. In den Gartenanlagen der Tonhalle gab es ein Restaurant und einen Musikpavillon. Während in den Konzertsälen der Tonhalle der klassischen Musik gefrönt wurde, spielte man hier Volks- und Salonmusik. Es wurde getanzt und es gab dort auch eine Rollschuhbahn. Ich glaube, Anna wird in Band 2 dort wohl einige Runden drehen.

*Das Weisse Schloss besitzt zwar keinen eigenen Wikipedia-Eintrag, dafür kam es im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen, weil dort angeblich ein privater Geheimdienst eine Zweigniederlassung betreibt.