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Freitag, 21. November 2014

Vom Schnee

Ein Blick auf die Statistik meines Blogs zeigt, dass in den vergangenen zwei Jahren der Beitrag zum Geruch des Schnees fast am meisten gelesen wurde (nur die Paläste am Alpenquai wurden noch mehr angeklickt). Angesichts meiner Physik-Noten ist es etwas beunruhigend, dass ausgerechnet dieser Text auf so viel Interesse stösst, aber das Thema "Schnee" scheint die Menschen einfach zu faszinieren.

Da der Schnee sich dieses Jahr (zumindest in unseren Längen- und Breitengraden) etwas Zeit lässt, hier ein Ausgehtipp für alle Ungeduldigen und all jene, die die vielfältige Schönheit des Schnees lieber im Warmen geniessen: Das Tal Museum Engelberg (OW) zeigt diesen Winter in der Ausstellung "Vom Schnee" Werke von Künstlern aus zwei Jahrhunderten zum Thema "Schnee". Zu sehen sind dramatisch überhöhte Eislandschaften der Romantik, verträumte Winterstudien der Belle Epoque, legendäre Wintersport-Plakate der Moderne und vieles mehr. Die Ausstellung dauert vom 13. Dezember 2014 bis 12. April 2015.


Montag, 31. Dezember 2012

Zum neuen Jahr alles Gute (und ein Gedicht)

Utagawa Toyokuni (1769-1825): Kurtisanen mit Dienerinnen im Schnee spielend
via www.metmuseum.org

Geschrieben am Neujahrstag, während es schneit:

Es sah aus, als würden die Pflaumenbäume schon erblühen.
Doch als ich nach einem Zweig griff,
da fiel  blütengleich  Schnee zur Erde.
(Izumi Shikibu)


Izumi Shikibu (ca. 974 – ca. 1034) war eine jener Hofdamen, deren Gedichte Christian übersetzen wollte. Sie war ob ihres stürmischen Liebeslebens ebenso berühmt wie berüchtigt, doch hatte sie auch eine tief spirituelle Seite: Immer wieder zog sie sich von der Hektik des Hofes in buddhistische Klöster in den Bergen zurück. Mit 36 Jahren heiratete sie einen Militärkommandeur und folgte ihm in die Provinz, an den Hof kehrte sie nie mehr zurück. Sie starb mit 60 Jahren und wird heute zu den bedeutendsten Dichtern Japans gezählt.

Montag, 22. Oktober 2012

Der Geruch von Schnee




Letzte Woche fiel hier der erste Schnee dieses Winters. Zeit, sich einmal dem mysteriösen Geruch von Schnee, der Christian das ganze Buch über beschäftigt hat, zu widmen. 

In dem meisten Diskussionen um die Frage, ob man Schnee riechen kann, geht es weniger um den Geruch bereits gefallenen Schnees als vielmehr um das Vorausahnen kommenden Schneefalls. Dieser Umstand macht eine Erklärung nicht gerade leichter. Vielleicht gibt es deshalb (noch) keine eingehende wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Phänomen, sondern nur zum Teil etwas vage klingenden Erklärungsansätze.

Physikalisch gesehen kann Schnee nicht riechen, da Wasser keinen Eigengeruch hat. Das ist die streng wissenschaftliche Antwort. Manche Meteorologen und Chemiker versuchen trotzdem eine Erklärung: es besteht die Möglichkeit, dass im Schnee enthaltene Duftmoleküle oder Aerosole wahrgenommen werden. Aber das erklärt eigentlich nicht, wie man deren Geruch bereits vor Ankommen der Schneefront riechen kann. Auch nicht beantwortet ist die Frage, ob es sich immer um dieselben Stoffe handelt  das heisst, riecht Schnee überall auf der Welt gleich?

Manche Menschen umschreiben den Geruch von Schnee als sehr klar und sauber. Das verweist auf eine weitere mögliche Erklärung: Bevor es schneit, kommt es zu einem Temperaturabfall. In grosser Kälte nehmen Duftreize ab. Das Duftgedächtnis verbindet demnach die Abwesenheit von Gerüchen mit Schneefall. Klingt logisch, aber nicht jede Kältefront bringt Schnee mit sich. Wer Schnee riechen kann (oder behauptet, es zu können), müsste demnach etliche nasale Fehlalarme erleben.

Am vielversprechendsten klingt meiner Meinung nach die Erklärung, dass bestimmte Veränderungen in Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchigkeit in der Nasennebenhöhle registriert und dann als Geruch interpretiert werden. Allerdings bleibt dabei offen, warum dies nur für Schneefall gelten soll und wie es zu dieser Um- bzw. Fehlinterpretation der eingegangenen Datensätze kommen kann.

Eine definitive Antwort steht noch aus und so teilt sich die Menschheit halt weiterhin in jene, die behaupten, eine Nase für Schnee zu haben und jene, die das für Humbug halten. Irgendwann wird die Wissenschaft dann vielleicht doch eine überraschende Antwort liefern  schliesslich und endlich hätte wohl auch niemand gedacht, dass man den Geruch des Sommerregens irgendwann mit mehr als nur "reingewaschener Luft" erklären könnte.